Crowdfunding Projekt Airy – von der Allergie zum Unternehmen ein Interview mit Peer-Arne Böttcher - WTS

Crowdfunding Projekt Airy – von der Allergie zum Unternehmen ein Interview mit Peer-Arne Böttcher

Letzte Aktualisierung

Crowdfunding eine neue Art und Weise der Finanzierung

um Unternehmern zu zeigen wie Crowdfunding funktioniert und welche Hürden dabei auf einen Lauern können habe ich eine neue Interviewserie gestartet, bei der erfolgreiche Crowdfunder über ihr Projekt berichten. Ich denke so kann man am Besten lernen um was es geht und auf was man aufpassen muss.

Heute berichtet Peer Böttcher zu seinem Projekt Airy ( www.airy.de) – da das Projekt noch am laufen ist kann man es auch noch unterstützen – du findest das Projekt auf  Kickstarter.com

Crowdfunding Plattform: Kickstarter.com

Zielsumme: €100.000,-

schau dir das Projekt an um einen Überblick zu bekommen wie auf Kickstarter die Projekte präsentiert werden.

Aber nun zum Interview – da das Projekt noch Live kam es zu ein paar Unterbrechungen was der Info aber keinen abbruch tut – im Gegenteil es zeigt wie intensiv so ein Projekt ist.

Hier das Transkript zum Interview:

J.N:  Peer, herzlich Willkommen bei den Unternehmertipps! Könntest du kurz einmal dich und deine Idee vorstellen und um was es genau geht?

Sehr gerne. Mein Name ist Peer Böttcher. Ich bin 38 und seit 1993Unternehmer hier in Hamburg. Ich habe über 1 Dutzend Unternehmen in dieser Zeit gegründet. Zuletzt ein Unternehmen das den Blumentopf neu erfunden hat. AIRY GreenTech heißt das Unternehmen. Blumentöpfe sind zwar nicht jedermanns Sache, aber sollten es doch werden, weil wir insgesamt darunter leiden, dass die Luft immer stärker verschmutzt ist. Es gibt eine ganz einfache Lösung um Luft zu reinigen und diese Lösung heißt Pflanzen! Das Pflanzen die Luft reinigen können wissen wir alle. Die NASA, die amerikanische Weltraumagentur hat vor einiger Zeit herausgefunden wie Pflanzen die Luft reinigen. Nämlich über Ihre Wurzeln. Da kommen Blumentöpfe ins Spiel, weil Voraussetzung,  dass eine Pflanze wirklich effektiv die Luft reinigen kann ist, dass die Luft auch an die Wurzeln kommt. Wir haben schlichtweg einen Topf entwickelt der das Wurzelwerk belüftet und somit die Leistungsfähigkeit der Pflanze verachtfacht. Also damit wird eine ganz normale Zimmerpflanze zu einem hocheffektiven Luftreinigungsgerät. Das ist das, was wir jetzt machen und worum wir uns sehr intensiv kümmern.

J.N: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen das ganze über Crowdfunding zu finanzieren?

Zunächst einmal,  auf die Idee ist mein Partner gekommen. Helge ist seit vielen Jahren leidgeplagter Allergiker. Kann sich also im Sommer kaum draußen aufhalten. Das kennen viele von uns mit einer Pollenallergie, bei Ihm kam noch erschwerend hinzu, dass er sich auch nicht in geschlossenen Räumen aufhalten konnte, weil er auch noch eine Putzmittelallergie hat. Da gab es  Tage wo es für Ihn ganz schwer war. Insofern hat er überlegt:  Wie kann er daran etwas tun? Er ist dann über diese NASA Studie gestolpert und hat angefangen diesen Topf zu entwickeln. Der Topf ist jetzt schon seit geraumer Zeit in der Prototypen Phase fertig gewesen und Crowdfunding war für uns jetzt gar nicht so sehr nur wegen der Finanzierung ein interessanter Aspekt, sondern um einfach mal um zu sehen wie Menschen darauf reagieren. Ist das für Menschen interessant,  wenn man es mal auf solch einer Plattform vorstellt, ist es ein Thema? Wenn ja, wie können wir dieses Thema immer so voran treiben, dass es auch gut verstanden und angenommen wird?

J.N: Wie seid Ihr auf das Finanzierungsziel gekommen?

Es ist gar nicht so günstig einen Blumentopf herzustellen. Da war ich selbst erstaunt! Blumentöpfe werden im Spritzgussverfahren hergestellt. Das ist zwar im laufenden Betrieb dann relativ günstig, aber die Werkzeuge die man braucht sind einfach absurd teuer. Da kann man auch ein Einfamilienhaus dafür kaufen. Wir haben bei unserer Crowdfunding Kampagne ein Finanzierungsziel von 100.000 Euro angegeben. Das reicht bei weitem nicht um auch nur ein Werkzeug herzustellen. Aber es wäre jetzt auch nicht wirklich empfehlenswert und vernünftig gewesen ein Finanzierungsziel von 400-500.000 Euro zu machen. Insofern haben wir die Werkzeugproduktion schon anderwärtig aus eigener Tasche finanziert und haben Crowdfunding wirklich nur als Marketing und Vertriebskampage genutzt. Natürlich um damit auch Geld einzusammeln und herauszufinden wie wir es am besten kommuniziert bekommen. Ist es so stark ein Thema, wie wir selber glauben, dass es ein Thema ist?

 

J.N: Wie seid Ihr auf die Plattform Kickstarter gekommen? Warum habt Ihr diese ausgewählt?

Wir haben uns unterschiedliche Plattformen angeschaut. Es gibt ja einige. Wobei ja man grundsätzlich zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding unterscheiden muss. Crowdinvesting war für uns kein Thema, weil wir keine Investoren suchen die in die Firma mit reingehen, sondern wirklich eher Unterstützer die in die Idee investieren und diese mit weitertragen. Da gibt es 2 Große internationale Plattformen. Das ist zum einem Kickstarter und einmal Indigogo. Kickstarter ist jetzt gerade in diesem Jahr im Sommer nach Deutschland gekommen und hat im Rahmen dessen hier sehr viele Aktivitäten durchgeführt. Da haben wir gesagt:  OK versuchen wir es mal mit Kickstarter und schauen wie es dort funktioniert! Wir selber, als Team,  hatten vorher keine Erfahrung. Insofern war das für uns auch ein Sprung ins kalte Wasser, aber es hat ganz gut funktioniert.

J.N: Und warum dann alles in Englisch und nicht in Deutsch?

Weil es tatsächlich von vornherein klar war, dass es ein sehr internationales Thema sein würde und insofern einfach Englisch als Sprache benötigt wird. Ich hätte es sehr gern auch auf Deutsch gemacht, aber das lassen diese Plattformen nicht wirklich gut zu. Man kann so eine Kampagne leider nicht mehrsprachig durchführen. Dann wird es komplett unübersichtlich, daher muss man sich  tatsächlich komplett auf Englisch einlassen. Wohlwissend, dass es einige Menschen ausschließt und auch selbst vor die eine oder andere Herausforderung stellt. Weil wir ja das gesamte Projekt  bis Dato komplett auf Deutsch durchgeführt haben und jetzt alles aufwändig übersetzen und entsprechend anpassen mussten.

J.N: Kannst du uns ein wenig über eure Vorgehensweise erzählen? Was habt ihr im Vorfeld, bevor die Kampagne gestartet hat, schon alles gemacht? Marketingmäßig, seid Ihr da von einem Berater unterstütz worden?

Wir haben viel zu wenig im Vorfeld gemacht. Das ist auch eines der learnings aus diesem Projekt. Wir haben das alles on the flight, einfach mit durchlaufen lassen haben. Wir haben  sich die Monate vor dem Projekt bei Kickstarter  intensiv um Fragen der Produktion des Topfes, Topfdesign und Co. gekümmert.  All das, was kommunikativ und vertrieblich orientiert war, mal komplett ausgeblendet. Das ist im Nachhinein nicht optimal gelaufen. Als wir dann auf Kickstarter wirklich gestartet sind waren viele Fragen noch nicht abschließend beantwortet. Das haben wir dann in der laufenden Kampagne getan. Das kann man ein bisschen sogar nachvollziehen, wenn man sich den Kampagnen Verlauf ansieht. Da ging’s bei uns am Anfang relativ schleppend los und nach 2-2 1/2 Wochen hatten wir die ganzen Kinderkrankheiten, die ganzen Anfangsfragen beantwortet, geglättet, verbessert. Dann ging die Kampagne auch richtig los. Hätten wir das von Vornherein alles berücksichtigt und  gewusst das überhaupt diese Fragestellungen noch auf uns zukommen würden, dann wäre die Kampagne sicherlich anders verlaufen. Insofern war es ja sehr lehrreich und ich bin froh, dass es jetzt schlussendlich dann doch noch funktioniert hat. Wir waren da nicht beraten und vielleicht waren wir auch nicht gut beraten es komplett auf eigene Faust und in dieser Form zu machen. Auf der anderen Seite haben wir viel gelernt.

J.N: Welche Marketing Aktivitäten habt Ihr während der Kampagne gemacht um die Kampagne ein wenig zu pushen?

Wir haben während der Kampagne viel zu lange Garnichts gemacht bis auf Sozialmedia Aktivitäten die wir sehr stark forciert haben. Das hat aber nicht wirklich gut konvertiert,  um es mal so auszudrücken. Über unsere Twitter und Facebook Aktivitäten kamen zwar sehr viele Leute auf Kickstarter, wir haben in 4 Wochen rund 30.000 Video Views auf Kickstarter gehabt, nur das hat nicht gut konvertiert, nicht gut monitorisiert, wenn man das so ausdrücken möchte. Das was dann tatsächlich funktioniert hat waren am Ende des Tages 2 Dinge. Bis wir diese Knöpfe gefunden haben,  hat es leider viel zu lange gebraucht. Zum einen muss man Geld einwerfen bei Kickstarter. Nicht direkt bei Kickstarter, aber es gibt Agenturen die einem Hefen das man bei Kickstarter besser gesehen wird. Man kann es Vergleichen mit Google, wo man ja auch mit Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing Maßnahmen besser positionieren kann. Das geht bei Kickstarter auch, bedeutet, dass man deutlich mehr Traffics über Kickstarter selber bekommt. Das wiederum ist Traffic der gut konvertiert, weil das Menschen sind,  die sich auf Kickstarter gezielt nach spannenden Projekten umschauen und auch bereit sind dort zu investieren. Das war der eine Knopf, der zweite Knopf ist tatsächlich der,  dass man selber Geld in die eigene Kampagne investieren muss. Das ist vielleicht verwunderlich, auf jeden Fall auch ein bisschen ärgerlich, aber es ist notwendig nach außen hin zu zeigen, dass die Kampagne gemocht wird. Das Leute dort Geld investieren und damit ein gewisses Momentum zu erzeugen, dass andere Leute sagen “Ach Mensch, wenn da schon so viel Geld zusammen gekommen ist, werfe ich jetzt auch nochmal 1 Euro ein oder auch mal 10”. Das habe ich komplett unterschätzt, aber das war tatsächlich ein Bereich den  ich im Nachhinein in vielen Blogs lesen konnte, dass es bei allen erfolgreichen Kampagnen der Fall war, dass Kampagnengründer selber oder über Ihre Freunde erst mal recht viel Geld in die Kampagne reingesteckt haben und es dann innerhalb der Kampagnenzeit auch nachher wieder rausgezogen haben. Um ein Momentum zu erzeugen, muss man erst mal ein bisschen Geld zusätzlich in die Hand nehmen und in die eigene Kampagne investieren.

  1. N: Was hat euch das ungefähr gekostet? Diese erste Variante, damit man besser gereiht wird bei Kickstarter?

Ach das ist nicht so teuer, das waren um die 250 Dollar. Das ist alles überschaubar. Man wird in dem Moment, wo man auf Kickstarter live ist, geflutet von Angeboten von Agenturen,  PR Agenturen Beratern die dieses und jenes und welches für einem machen wollen. Das meiste davon ist, glaub ich nicht wirklich gut zu gebrauchen, aber so ein paar Dinge sind dabei, wenn man sich die mal anschaut, dann sind die wirklich hilfreich. Das war ein Aspekt. Dann gibt es  noch einen dritten Punkt, der sehr hilfreich ist. Es gibt bestimmte Online Clubs von Leuten die sehr aktiv im Crowdfunding sind und sich zusammen geschlossen haben,  wenn man diesem Clubs ein Angebot macht, in den Sinne: „Investiert in meine Kampagne und wenn ihr das tut, bekommt ihr als Club einen kleinen Goodie, besondere Konditionen“. Dann ist das auch etwas wo man nochmal sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt und auch eine gute Konversion Rate hat, weil wie gesagt, das dann auch Leute sind die sich mit Crowdfunding auskennen und Projekte die sie gut finden gerne unterstützen. Aber das sind alles Dinge die ich tatsächlich erst im Kampagenverlauf gelernt habe oder lernen musste. Würde ich bei meinen nächten Kampagnen von Anfang an berücksichtigen. Ich glaube dann kann man deutlich besser starten.

J.N: Wo findet man diese Clubs?

Da kann man tatsächlich ein bisschen danach suchen. Es gibt Blogs die einem erklären wie Crowdfunding funktioniert, wo das alles schon von Anfang an drin stand. Ich habe es bloß selber nie gesehen und wahr genommen oder  mich nicht intensiv darum gekümmert. Da gibt es wirklich diverse Clubs und auch Plattformen die genau solche Kampagne promoten und entsprechende kleine Zirkel bilden. Die wird man ohne weiteres finden, wenn man sich mal auf die Suche danach begibt.

J.N: Habt Ihre irgendwelche Prominente Unterstützer gehabt,  die Ihr verwenden konntet für die Kampagne?

Nein gar nicht! Wir haben weder mit Testimanials gearbeitet, noch mit anderen Multiplikatoren dieser Art. Das ist tatsächlich etwas was ich jetzt bei uns nach und nach, weil wir mit dem Start bei Kickstarter überhaupt in die Außenkommunikation eingetreten sind und jetzt viele Dinge bei uns im Hintergrund gerade herausbilden. Wir sind beispielsweise gerade dabei ein Buch zu schreiben, über Luft, Pflanzen und Menschen.  Auf diese Art und Weise,  all das Wissen das wir bei uns im Team haben, und all die Unterlagen die sich dazu über Jahre angesammelt haben, mal in einem Dokument vernünftig zusammen zu fassen. Genauso wie wir  jetzt dabei sind, natürlich weiteres Videomaterial zusammen zu fügen, weiteres Bildmaterial zu erstellen. Also da sind wir noch ganz am Anfang. Würden wir jetzt eine weitere Crowdfunding Kampagne machen, wären wir da schon deutlich besser aufgestellt und würden gegebenenfalls auch entsprechende Testimanials ausarbeiten.

J.N: Wie seid Ihr zu euren Paketen gekommen? Wie habt ihr die überlegt, die Ihr den Leuten zur Verfügung stellt?

Reine Kopfgeburt! Also wir haben uns überlegt, das es gibt bei Kickstarter eine sehr ausgeprägte Kultur von “ich geb einen Euro oder auch einen Dollar und unterstütze damit für ein bisschen gutes Karma das Projekt“. Es gibt natürlich den Wunsch als Gegenleistung für die Spende sie es ja de facto ist,  auch das Produkt als Gegenleistung zu bekommen. Das war dann natürlich ein ganz logischer Paketbestandteil. Unser Produkt ist nicht so ganz günstig, es ging los bei 39 Euro. Da war uns schon klar das, dass für manche vielleicht auch ein bisschen viel ist. Deswegen haben wir gesagt,  dieses Buch, dass wir gerade schreiben, bieten wir noch für 8 Euro an. Das haben tatsächlich auch einige in Anspruch genommen. Gleichzeitig lässt sich dieses Buch, das am Anfang nur eine Broschüre, ein PDF Dokument sein wird,  gut als Bundle mit dem Topf zusammen führen. Also das ist etwas von diesen Reward, man muss  sich wirklich sehr genau anschauen was man machen kann. Einerseits von der Größenordnung her und dann auch von den Vorteilen her,  die man dort bietet,  im Vergleich dann zum späteren retail Price. Das ist immer sehr unterschiedlich, bei uns hat es, denk ich, relativ gut funktioniert. So wie wir das aufgebaut haben.

J.N: Habt Ihr die Ganzen Marketing Unterlagen, wie Fotos und Grafiken und Videos,  selbst gemacht? Oder habt Ihr da eine Agentur gehabt?

Sowohl als auch. Wir haben im Grunde selbst die Briefings von alldem geschrieben. Ich selber komm aus der Unternehmenskommunikation und habe für rund 150 Unternehmen national und international die PR aufgebaut. Insofern ist das alles kein Neuland. Wir haben natürlich schon mit Profis zusammengearbeitet. Würde ich auch immer dringend empfehlen, dass man da eine vernünftige Videoproduktion und einen guten Fotografen hat. Auch das man jemanden hat der sich um das Thema Text kümmert, gegebenenfalls nicht nur Textlektorat sondern auch um das Text schreiben, die Kreation, Übersetzungsarbeiten und all das. Wir haben das nicht alles in eine Hand gegeben, sondern mit Freiberuflern und Freuden zusammen gearbeitet, vieles im eigenem Team abgedeckt. So wie das in einem Startup auch gar nicht anders möglich ist, aber genau das macht natürlich am Ende des Tages den Reiz und auch einen gewissen Charme eines solchen Projektes aus.

J.N: Kannst du uns sagen was ungefähr investiert worden ist? Alleine in das Projekt, um das Ganze zu starten? Was man da ungefähr rechnen kann?

Ich kann es nicht genau sagen wie viel uns jetzt die Kampagne gekostet hat. Was ich sagen kann ist , dass es für mich persönlich eine der intensivsten Unternehmerischen Erfahrungen war die ich bislang gemacht habe und ich bin jetzt seit 22 Jahren unternehmerisch tätig. Mit Sicherheit nicht arbeitsscheu, ich habe immer viel gearbeitet, aber die letzten 4 Wochen waren wirklich geprägt von mindestens 18-20 Stunden Tagen, weil die Herausforderung mit der Kampagne doch ganz gewaltig war. Auf der einen Seite sehr schnell auf eine eigene Lernkurve zu nehmen, sehr schnell aus den eigenen Fehlern zu lernen. Das hat auch gerade am Anfang des Projektes und auch jetzt zum Ende des Projektes fulminant zugenommen, die Kommunikation im Hintergrund. Ich bin heute Morgen um halb 3 ins Bett gegangen, um 8 Uhr stand ich wider hier am Rechner. In der Zwischenzeit waren schon wieder 43 Emails eingegangen. Das ist einfach eine Sache wo man,  nicht nur quantitativ mit zu kämpfen hat, sondern es sind auch qualitativ entsprechende Dinge zu leisten. Nicht nur sprachlich,  sondern auch inhaltlich gibt es sehr viele Fragstellungen die man nicht nur so eben aus dem Ärmel schüttelt und es hängt schlichtweg damit zusammen, dass die internationale Aufmerksamkeit für das Projekt jetzt durch die Plattform Kickstarter gegeben ist. Früh morgens kommen dann die ganzen Anfragen aus Asien, spät abends kommen sie dann aus der USA. Das Sorgt dann dafür, dass wenn man das mit so einen kleinen Team macht wie es bei uns der Fall war, die Arbeitsbelastung doch außerordentlich hoch ist. Was es am Ende tatsächlich gekostet hat auf Heller und Pfennig kann ich nicht ausrechnen, ich glaub ich würde es auch nicht tun wollen, dann bin ich mir nicht mehr sicher ob es sich finanziell rentiert hat. Das sich das Projekt trotzallem gelohnt hat, aufgrund der gemachten Erfahrungen und den Kontakten, da bin ich mir absolut sicher. Das war auch schon nach 1-2 Wochen der Fall, nach Ablauf der Kampagne um so mehr.

J.N: Was meinst du mit den Anfangsfehler die Ihr gemacht habt, die dann ausgebrüht werden mussten?

Der schwerste Fehler den wir gemacht haben war, dass wir tatsächlich die Sensibilität für Logistik unterschätzt haben. Wir sprechen hier über ein Produkt, einen Blumentopf der relativ schwer ist, das Eigengewicht des Topfes sind schon 1,5 Kilo plus Verpackung und Co. so in etwa 2 Kilo. Er ist relativ groß, das heißt wenn man so ein Paket in die USA verschickt oder nach Australien, dann geht das nicht für 4-5 Euro,  sondern man muss noch eine null hintendran hängen. Zumindest wenn man es so macht wie wir am Anfang und man schlichtweg über die Internetseite von Logistikteams geht und deren Preise 1:1 übernimmt,  einfach sagt ok das sind die Shipping Kosten wie wir sie hier vorfinden. Wenn sich jetzt jemand für unser Projekt auf Kickstarter interessiert und haben möchte,  dann war es  am Anfang tatsächlich so,  dass er für 39 Euro den Topf bestellt und nochmal 49 Euro Versandkosten hatte. Das fanden die Leute aus nachvollziehbaren Gründen nicht so gut. Ich habe das komplett unterschätzt und habe mich dann erst am ersten Tag der Kampagne,  als die ersten Rückmeldungen kamen intensiv um Logistikdienstleister gekümmert und bemüht, die dann plötzlich eine ganzandere Preisberechnung aufmachten und uns dazu verholfen haben, dass wir die Kosten für die Logistik um bis zu 70 % senken konnten. Es war dann sehr deutlich zu sehen, dass plötzlich deutlich mehr Bestellungen aus Ländern kamen wo die Leute vorher gesagt haben, dass es zu teuer wäre. Logistikkosten, ganz ein sensibles Thema. Das haben wir dann relativ schnell korrigiert. Hätten wir dringend vorher machen müssen, weil das natürlich einfach ein ganz wesentlicher Aspekt ist bei solch einem Projekt ist.

J.N: Das die Flut der Anfragen einer der wichtigsten Aspekte ist und man schauen muss das man in seinem Team eine halbwegs gute Kommunikation zur Verfügung stellen kann, habe ich schon von vielen gehört. Sind es hauptsächlich Anfragen von Käufern bzw. Unterstützern oder mittlerweile schon von Leuten die bezüglich des Produktes auf euch Aufmerksam geworden sind?

Also es sind in erster Linie natürlich Anfragen von Unterstützern, die noch Fragen zum Produkt haben oder zum Preismodell. Aber es sind auch ganz andere und sehr wesentliche Anfragen gewesen. Zum einen haben Laute gesagt sie würden gern ins Unternehmen investieren, sie finden das Produkt großartig und sehen das Potenzial. Zum zweiten waren es Leute  die gesagt haben, ob wir uns nicht vorstellen können, dass sie für Brasilien, USA, Südostasien den Vertrieb für uns übernehmen oder gar die Lizenz für diese Region. Das macht das ganze natürlich sehr wertvoll, dass meinte ich auch eben damit, dass ich eigentlich nach 1-2 Wochen die Kampagne für uns schon rentiert hatte. Es gab  bereits zu diesem Zeitpunkt so viele Anfragen hinter den Kulissen, dass wir gesagt haben, egal ob die Kampagne jetzt erfolgreich verläuft, nach außen hin, vom Fundingziel her,  gehen wir jetzt in Produktion, weil die Nachfrage durch Großkunden, Lizenznehmer und Investoren schon so groß ist, dass wir uns sicher sind das insgesamt gut gestemmt zu bekommen.

J.N: Habt Ihr euch da im Vorhinein auch schon Überlegungen gemacht zum Thema Lizenzverträge oder noch nicht?

Doch das haben wir schon. Lizenzverträge sind natürlich bei solch einem Projekt enorm wichtig. Wir machen die Produktion komplett in Deutschland und werden sicherlich den  deutschen und europäischen Markt gut bedienen können aus eigener Kraft, Übersicht und Erfahrung. Wenn es in die USA und erst recht wenn es natürlich nach Südostasien geht, wo unserer Meinung nach der Markt am Größten ist, da hier der Leidensdruck durch verschmutzte Luft einfach enorm hoch ist, dann wird es natürlich deutlich diffiziler. Da braucht man  Partner vor Ort, die die Gesetzlichen Bestimmungen kennen, die Kontakte haben in den klassischen Handel hinein, die aber auch andere Vertriebskanäle bedienen können. Dann sind wir wieder beim Thema der Logistik vor Ort usw. Das kann man auch nicht mal soeben alles von hier aus machen, sondern da muss man sich nach Partnern umschauen. Das war haben wir von vornherein gewusst und gewünscht und wir haben auch schon im Vorfeld erste Gespräche geführt. Das hat sich jetzt aber durch die Internationale Sichtbarkeit dieser Kampagne nochmal mit einer ganz anderen Dynamik versehen, weil jetzt sehr viele Anfragen dieser Form auf uns zu gekommen sind.

J.N: Es sind jetzt nur mehr 3 Tage?

Ja 30 Stunden, nicht mehr ganz so lange!

J.N: Was würdest du anders machen wenn du nochmal ein Projekt machst?

Ich würde 2 Dinge anders machen. Ich würde die Zahlen, Daten und Fakten anders aufbereiten. Insbesondere den Gesichtspunkt Logistikkosten und ich würde mich kommunikativ und vertrieblich besser aufstellen, im Sinne von besserer Vorbereitung. Mehr Vorlaufzeit für dieses Projekt. Wir sind jetzt im Nachhinein komplett ohne PR Berichterstattung ausgekommen, wir haben keinerlei PR gehabt. Was umso absurder ist, weil ich ja eben aus dem Bereich der PR komme. Wir haben das  gar nicht mehr auf die Beine stellen können, weil die Zeit letztlich auch zu kurz war. Das wäre natürlich schön, wenn man diese Unterstützung noch hätte, weil alle mit denen ich jetzt gesprochen habe sagen, ohne PR geht es überhaupt nicht. Wir haben es  trotzdem ohne PR geschafft und das ist wirklich erstaunlich. Aber das würde ich im Nachhinein komplett anders machen bzw. beim nächsten Projekt entsprechend berücksichtigen.

J.N: Das heißt du würdest als Ratschlag für die Zuhörer auf jeden Fall sagen, dass sich das Projekt gelohnt hat?

Ja, aber es war eine extreme persönliche Belastung. Dessen muss man sich auch bewusst sein, also man kann während eines solchen Projektes nicht sehr viel nebenbei machen. Das ist sowohl geschäftlich als auch persönlich ein Rat den ich nur gebe, sich dann entsprechend auch die Freiräume da zu schaffen, weil man sehr reaktiv unterwegs ist. Es kommt sehr viel Anfrage von Außerhalb. Das lässt sich nicht planen, ist aber sehr schnell abzuarbeiten und auch nicht gleich wieder zu versanden. Es kostet dementsprechend viel Kraft. Also ich weiß jetzt viel besser wie auf diesem Planet gearbeitet wird und vor allem wann. Die Zeitzonen Unterschiede sind schon enorm, wenn ich hier morgens um 2 sitze und mit Leute in Utah konferiere, dann ist das etwas was ich bislang in dieser Form, ab und zu sicherlich schon getan habe, aber in den letzten 4 Wochen war das absolute Normalität.

J.N: 4 Wochen durchgehend?

Ja! In diesen 4 Wochen habe ich das jetzt ein bisschen mit protokolliert und habe rund 320 Stunden gearbeitet.

J.N: Ich habe mit jemanden gesprochen der mir erzählt hat, dass er es auf jeden Fall empfehlen würde. Er würde nur im Nachhinein sagen, dass er mit einem kleineren Projekt anfangen würde um die Erfahrung zu sammeln und dann erst in ein großes Projekt reingehen!

Ich weiß gar nicht ob groß oder klein jetzt so der Maßstab ist. Ich glaube es geht am Ende des Tages darum welchen Anspruch man im Sinne der Professionalität hat. Dann kann so etwas auch sehr schnell groß werden. Es gibt ja viele Beispiele für sehr erfolgreiche Kampagnen die sehr klein begonnen haben und plötzlich durch die massive Unterstützung der Community enorme Größe erreicht haben. Es lässt sich gar nicht in dieser Form planen. Wichtig ist das man möglichst viel vorbereitet und erledigt hat um dann ausgeruht an den Start geht. Bei uns war es so, dass wenige Stunden bevor wir an den Start gegangen sind das Video erst fertig geschnitten war. 3 Stunden bevor wir gestartet sind waren die Fotos fertig  und während wir gestartet sind habe ich noch an dem Texten gearbeitet. Da war wirklich alles ein bisschen „holter  die polter“. Wie gesagt, dass war uns im Vorfeld auch bewusst. Wir haben das auch mit diesem Risikobewusstsein gemacht, dass wir in der Kampagne die gesamten Unterlagen erst fertig bekommen. Es war auch ein Ziel dieser Kampagne, dass wir jetzt einfach unter öffentlichen, und damit sicherlich auch erschwerten Bedingungen, aber auch mit einem sehr klaren und Zeitlichen Limit für uns, die Unterlagen alle fertig bekommen. Das muss nicht jeder so machen, ich würde es auch nicht unbedingt empfehlen.

  1. N: Zum Video noch eine kurze Frage. Habt Ihr euch ein Storyboard selbst überlegt oder wie seid Ihr überhaupt auf das Video und was ihr rüberbringen wollt gekommen?

Also Video ist extrem wichtig! Definitiv, ohne Video gehst es nicht! Wenn man jetzt jemanden sagt. „Dreh du mir mal ein Video!“  Wird er sagen:  „Was willst du denn damit aussagen?“ Dann ist man schon in der Henne Ei Problematik. Wer kann denn jetzt überhaupt das Video mal vom Storyboard her entwickeln? Dann wird man selber schon viel mit reingehen müssen. Bei uns war es  tatsächlich so, dass wir das Storyboard selber geschrieben haben und dann mit einer professionellen Videoproduktion gedreht und während des Drehs  noch viel überarbeitet und überdacht haben. Letztlich waren das 6-7 Stunden um die ganze Sachen dann auch noch im Kasten zu haben. Es ging dann auch ziemlich schnell. Ich würde immer empfehlen ein Video zu machen, und auch mehr oder weniger Professionell zu realisieren. Dieses Mehr oder Weniger meine ich dahin gehend, dass handgemachte Videos, selbstgedrehte Videos durchaus sehr charmant sein können und von der Communitiy auch als angenehm betrachtet werden. Wenn es zu professionell ist, kann auch dies zu ablehnenden Reaktionen führen. Das haben wir selber gar nicht so in dem Maße erlebt, aber das ist wohl doch eher eine Geschichte, die so ein bisschen mit Vorsicht zu genießen ist. Also professionell im Sinne der Technik für das drehen, Inhaltlich auch aber es muss jetzt nicht auf Kinofilm Niveau stattfinden.

J.N: Ich glaube auch das es ein wichtiger Fakt ist, weil es ja auch von der Community irgendwo in der Startup und Gründerphase rüberkommen soll und nicht als die Große, hochprofessionelle Firma. Das könnte eher ablehnend wirken.

Ja, es ist eben so, dass diese Crowdfunding Plattformen ja wirklich den Kickstart ermöglichen sollen  und Communitybildend wirken. Wenn das mit zu viel Professionalität von vornherein versehen ist, ist das für viele ein bisschen ein Teflon Effekt. Da kann man sich nicht gut damit verbinden und fühlt sich vielleicht nicht so richtig wohl. Deswegen ist es wichtig, dass die Kommunikation hinter den Kulissen stattfindet. Die Updates die man gibt eher persönlich zu gestalten, um dann auch deutlich zu machen “Hey das sind Menschen, das ist ein Team das dahinter steht und sich sehr intensiv mit diesen Fragestellungen hier beschäftigt hat und auf eine Idee gekommen ist, die auch einer kritischen Überprüfung standhält“. Auch deren Unterstützung wert ist.

J.N: Erstmals Danke! Eine kurze Frage noch. Hat dein Freund der die Allergien hat den Topf jetzt schon selbst bei sich ausprobiert?

Ja hat er. Er hat schon vor 12 Jahren den Topf entwickelt und diverse Prototypen. Der letzte Prototyp den er gemacht hat, hat sehr gut funktioniert. Er ist TÜV verifiziert und von unterschiedlichen Universitäten untersucht, hat sensationelle Ergebnisse erzielt. Jetzt haben wir diesen Prototypen seit letzten Jahr fertig und ihn dann sogar schon in einer kleinen Serie verkauft. Schon 1500-mal wurde dieser Topf bereit verkauft und die Kunden sind begeistert. Den haben wir jetzt nochmal weiter verbessert und er kommt jetzt als Airy Ende des Jahres in den Markt und da sind wir sehr zuversichtlich das wir die Leistungsfähigkeit dieses Topfens noch erheblich steigern können. Es hilft auf jeden Fall wenn man Allergien und Asthma hat, weil in der Luft Schadstoffe deutlich minimiert werden. Es ist ein absolutes Muss für Raucher die nicht nur sich selber, vor allem Ihre Umgebung, schaden. Weil Pflanzen sind einfach extrem stark was Luftreinigung angeht. Es gibt rund 30 Zimmerpflanzen die sich von Schadstoffen ernähren und dabei alle Schadstoffe aus der Luft rausziehen. Insofern sind auch die Pflanzen die Helden, nicht unser Topf. Unser Topf versetzt die Pflanzen in die Lage 100% Ihrer Leistungsfähigkeit abzurufen und nicht nur die 7 oder 8 % Leitungsfähigkeit die sie durch Ihre Blätter haben. Es können 90 % durch die Wurzeln in herkömmlichen Töpfen nicht genutzt werden.

J.N: Bekommen wir noch die Info dazu welche Pflanzen man verwenden soll?

Ja die bekommt man von uns. Ich kann aber so viel sagen, es sind die Pflanzen die wir Typischer Weise gerne um uns haben. Insbesondere im Büroumgebung. Bogenhanf gehört dazu. Drachenbaum, 2-3 Orchideen Arten. Ficus Benjamini, das sind Pflanzen die sich evolutionär bedingt so entwickelt haben, dass sie sich sehr stark über die Luft ernähren, weil sie üblicherweise aus höchsten Regionen kommen. Da gibt es wenig Wasser von oben und wenig Nährstoffe von unten, die Böden sind sehr porös, sehr luftdurchlässig. Deswegen haben diese Pflanzen sich darauf spezialisiert zu schauen wie sie sich über Ihre Wurzeln,  über die Luft ernähren können. Das ist eine ganz Faszinierende Eigenschaft die 30 Zimmerpflanzen sehr ausgeprägt haben. Letztlich sind alle Pflanzen in unserem Topf gut aufgehoben, weil alle Pflanzen etwas fürs Wohlbefinden tun und der Luft Sauerstoff hinzufügen. Das wissen wir alle. Wenn man wirklich Bestimmte Schadstoffe wie Formaldehyd, Benzol, Toluol , usw. die wir sie sehr viel bei uns herum haben, aus der Luft heraushaben möchte, sollte man besonders diese Leistungsfähigen Pflanzen nehmen.

J.N: Kurz zusammenfassend: Alles in Allem kann man sagen, dass du mit dem Projekt zufrieden bist? Man kann es für jede Firma verwenden um speziell auch international  einen gewissen Bekanntheitsgrad zu bekommen.

Ja so kann man es zusammenfassen.

J:N: OK, ich werde mir heute noch 2 Töpfe besorgen, damit ich in jedem Raum einen habe!

Wunderbar! Dann würden wir glaub ich auch durch mit dem Funding!

J:N: Ich würde mich freuen, wenn wir, sobald das ganze fertig ist und ein bisschen Ruhe eingekehrt ist, nochmal sprechen können wie sich alle entwickelt hat!

Prima gerne und Dankeschön für das Gespräch!

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Johannes Nefischer
 

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