Umsatzsteuer bei Bauleistungen -Reverse Charge

Umsatzsteuer - Reverse Charge Bauleistungen

In der Regel ist der Schuldner der Umsatzsteuer bei Lieferungen oder sonstigen Leistungen der Unternehmer, der diese Leistung erbringt. Das heißt, grundsätzlich hat der Leistungserbringer seine Leistung und die darauf entfallende Umsatzsteuer dem Leistungsempfänger in Rechnung zu stellen. Der Leistungserbringer hat die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen.

In gewissen Fällen sieht das Gesetz aber den Übergang der Steuerschuld (Reverse Charge) auf den Leistungsempfänger vor. Dies bedeutet, dass der leistende Unternehmer seine Leistung ohne Umsatzsteuer abzurechnen und auf den Übergang der Steuerschuld hinzuweisen hat. Die Umsatzsteuer wird vom Empfänger der Leistung gegenüber dem Finanzamt geschuldet.

Ein wichtiger Anwendungsfall für den Übergang der Steuerschuld sind Bauleistungen. Bei Erbringung einer Bauleistung kommt es zum Übergang der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger, wenn dieser ein Unternehmer ist, der seinerseits mit der Erbringung der Bauleistung beauftragt worden ist oder üblicherweise selbst Bauleistungen erbringt (also Bauunternehmer ist).

Sie erbringen oder erhalten Bauleistungen, sind aber nicht sicher, ob Sie von der Reverse-Charge-Regelung im § 19 Abs 1a UStG betroffen sind. Wie gehen Sie vor? Eine grobe Entscheidungsmatrix, die im Einzelfall zu verfeinern sein wird. Reden Sie mit uns darüber!

Aus der Sicht eines (bau-)leistenden Unternehmers:

Erbringen Sie “Bauleistungen”?NEINDie Regelung zu Umsatzsteuer bei Bauleistungen betrifft Sie nicht.
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JA
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Sind die erbrachten „Bauleistungen“ solche, die im § 19 Abs 1a UStG oder im zugehörigen Erlass aufgezählt sind?NEINDie Regelung zu Umsatzsteuer bei Bauleistungen betrifft Sie nicht.
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JA
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Erbringen Sie diese Bauleistungen an Unternehmer?NEINWenn Ihre Auftraggeber Privatpersonen (also keine Unternehmer im umsatzsteuerlichen Sinn) sind, sind Sie nicht betroffen.
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JA
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Erbringen Sie diese Bauleistungen an Unternehmer, dieihrerseits mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt sind oderihrerseits üblicherweise Bauleistungen erbringen?NEINSie erbringen zwar Bauleistungen an Unternehmer, allerdings nicht an Unternehmer, die im Gesetz genannt sind. Tun Sie nichts, Sie sind nicht betroffen.
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JA
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Sie fallen unter die Bestimmungen des § 19 Abs 1a UStG, dh für Ihre Bauleistungen kommt es zum Übergang der Steuerschuld.

Aus der Sicht eines Unternehmers, der (Bau-)Leistungen erhält:

Erhalten Sie “Bauleistungen”?NEINDie Regelung zu Umsatzsteuer bei Bauleistungen betrifft Sie nicht.
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JA
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Sind die erhaltenen „Bauleistungen“ solche, die im § 19 Abs 1a UStG oder im zugehörigen Erlass aufgezählt sind?NEINDie Regelung zu Umsatzsteuer bei Bauleistungen betrifft Sie nicht.
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JA
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Sind Sie ein Unternehmer, derseinerseits mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt ist oderseinerseits üblicherweise Bauleistungen erbringt?NEINSie sind kein Unternehmer, der im Gesetz zur Steuerschuld bei Bauleistungen genannt ist. Tun Sie nichts, Sie sind nicht betroffen.
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JA
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Sie fallen unter die Bestimmungen des § 19 Abs 1a UStG, dh für an Sie erbrachte Bauleistungen kommt es zum Übergang der Steuerschuld.

Die Reglen für Umsatzsteuer bei Bauleistungen lauten:

  • Nur Unternehmer, die mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt sind oder üblicherweise Bauleistungen erbringen, sind die Adressaten der Neuregelung, zB Generalunternehmer, Bauunternehmer etc.
  • Diese Unternehmer schulden die Umsatzsteuer ihrer Subunternehmer, wenn diese ihrerseits eine Bauleistung erbringen. Bauleistungen sind „die Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung und Beseitigung von Bauwerken sowie die Überlassung von Arbeitskräften dafür“. Abgrenzungsfragen und Details sind höchst kasuistisch und keineswegs logisch in einem Erlass geregelt. Demnach liegt keine Bauleistung vor, wenn zB nach Maß angefertigte Fenster nur geliefert werden oder ohne weitere Montagearbeiten in bestehende Vorrichtungen eingehängt werden. Werden die Fenster vom liefernden Unternehmen montiert (das ist offenbar ein bisserl mehr als nur einhängen) liegt doch eine Bauleistung vor und die Steuerschuld des Fensterlieferanten (vulgo „Fenster-Baumeister“) springt auf den Auftraggeber über.
  • Rechnungslegung: In Fällen, in denen die Umsatzsteuerschuld auf den Auftraggeber übergeht, darf der leistende Unternehmer zB für die Fenstermontage in seiner Rechnung keine Umsatzsteuer ausweisen, muss die UID-Nummer des Auftraggebers anführen und auf die besondere Steuerschuld des Auftraggebers hinweisen. Damit der Subunternehmer aber weiß, ob sein Auftraggeber ein für den Übergang der Steuerschuld geeigneter Unternehmer ist, muss der Auftraggeber am besten gleich im Auftragsschreiben sinngemäß bestätigen: „Ich bin ein Unternehmer, der mit der Erbringung einer Bauleistung beauftragt ist und auf den deine USt-Schuld als Subunternehmer übergeht.“
  • Auch für Anzahlungen an den Subunternehmer geht die Steuerschuld auf den Auftraggeber über.
  • Im Umsatzsteuerformular sind die Reverse-charge-Umsätze aus Bauleistungen in Kennzahl 021 in Abzug zu bringen und die Steuerschuld in Kennzahl 048 bzw. Vorsteuer in Kennzahl 082 aufzunehmen.

Falls Sie sich nicht sicher sind nehmen sie mit uns Kontakt auf!

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